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31.12.2003

Eine Ölquelle für die Kommunen?

Neues Verfahren der Klärschlamm-Verwertung eröffnet Perspektiven

LKRS. BAMBERG. Das Vorhaben, Stroh zu Gold zu spinnen, hat man inzwischen zumindest Mit den Anfängen zufrieden: von rechts Walter Grimmel, Edgar Rünagel, 





















































































Prof. Dr. Stadlbauer und die Verantwortlichen des hessischen Wetterau_Kreises.vorübergehend aufgegeben. An die Stelle dieses Unterfangens ist ein anderes getreten, das nicht weniger lukrativ zuwerden verspricht: Aus Klärschlamm Heizöl und Kohle zu machen. Das Bamberger Land ist dabei in mehrfacher Weise beteiligt. Bei der Sanierung der Scheßlitzer Kläranlage trafen sich schon im Jahr 2001 die beiden Firmen, deren Zusammenwirken für das Gelingen des weiteren Verfahrens als Glücksfall bezeichnet werden darf. Die Firma Grimmel Wassertechnik im hessischen Ober-Mörlen und die Trunstadter Firma Elektro-Rünagel, Spezialist für Steuerungstechnik und Verfahren. Zusammen mit der Fachhochschule Gießen sind die beiden Unternehmen heute untrennbar mit der Entwicklung der neuen Technologie verbunden.
Dabei ist die Möglichkeit, Klärschlamm oder auch Tiermehl in dieser Weise zu verwerten, nicht völlig neu. Bereits zu Beginn der 80er Jahre entwickelt, wurde sie zunächst aus wirtschaftlichen Gründen nicht weiter verfolgt. Das Tiermehl wurde weiterhin verfüttert und der Klärschlamm meist landwirtschaftlich verwertet. Dann aber kam am Beginn des neuen Jahrtausends die BSE-Krise – Tiermehl durfte nicht mehr verfüttert werden – und ab 2005 gilt ein neues Gesetz, das das Ausbringen von Klärschlamm auf landwirtschaftliche Nutzflächen wesentlich erschwert.
An der Fachhochschule Gießen erinnerte sich vor diesem Hintergrund Prof. Dr. Ernst A. Stadlbauer zu Beginn diesen Jahres an die Möglichkeit der Klärschlamm-Verwertung und nahm Kontakt mit Walter Grimmel auf, dem Chef einer ihm gut bekannten Firma für Wassertechnik. Der wiederum kannte von Scheßlitz her Edgar Rünagel, wo man mit dem Steuerungs-Spezialisten aus Trunstadt bestens zusammengearbeitet hatte. Schnell war man sich einig, die Sache gemeinsam anzugehen, und seit Februar diesen Jahres gibt es nicht nur deutliche Fortschritte zu vermelden – das Projekt darf man zum Jahresende getrost als gelungen bezeichnen.
Gefördert von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) entstand eine etwa containergroße Pilotanlage (sie ist deshalb auch leicht zu transportieren), in der durch ein thermo-katalytisches Verfahren bei ca. 400 Grad Celsius und bei Entzug von Sauerstoff aus solargetrocknetem Klärschlamm Heizöl (Bio-Diesel) gewonnen wird. Die Pilotanlage steht derzeit in der Kläranlage Füssen, die mit ihren 100 000 Einwohner-Werten genügend Klärschlamm-Kapazitäten zur Verfügung hat, um den Betrieb der Pilotanlage zu gewährleisten. Sie könnte aber problemlos auch nach Scheßlitz, Burgebrach oder anderswo hin gebracht werden – überall dorthin, wo solargetrockneter Klärschlamm zur Verfügung steht.
Bis auf kleinere „Mucken“, die man in den nächsten Monaten sicherlich noch beheben wird, „läuft“ die Pilotanlage, so Edgar Rünagel. Seit September ist er über eine Online-Verbindung mit der Anlage in Füssen vernetzt, deren Steuerungsautomatik die Trunstadter Firma entwickelt und installiert hat. Grob gesagt, wird dabei der Prozess nachvollzogen, der sich bei der Entstehung von Erdöl in der Natur in Jahrmillionen aus Biomasse abgespielt hat.

200 Liter Heizöl aus
einer Tonne KlärschlammBlick in die Steuerungs-Anlage des Pilot-Gerätes

Nur viel schneller natürlich. In der Pilotanlage, deren Kapazität problemlos erhöht werden kann, werden derzeit 100 Kilogramm Klärschlamm (er soll so trocken wie möglich sein) pro Stunde verarbeitet. Aus jeder Tonne Klärschlamm gewinnt man rund 200 Liter Heizöl/Bio-Diesel , die problemlos weiter verwertet werden können. Im wahrsten Sinn des Wortes also eine Ölquelle für die bundesdeutschen Städte und Gemeinden? Die zusätzlichen Einnahmen könnten die Kommunen gewiss gut brauchen.
Im Bamberger Land wäre das Verfahren derzeit allerdings nur in Burgebrach und Scheßlitz einsetzbar – nur dort wird der Klärschlamm bisher in Solaranlagen getrocknet. Und das ist, so Edgar Rünagel, Voraussetzung für das Gelingen. „Wenn sich Scheßlitz und Burgebrach zusammentun, müssten auch die Kapazitäten für eine solche Anlage ausreichen“, zeigt er sich überzeugt. Bis Ende des Jahres 2004 wird die Anlage serienreif sein und das Ziel der Hersteller ist, dass jeder Interessent sich eine solche Anlage leisten kann. Das gewonnene Öl könnte beispielsweise in einem Blockheizkraftwerk verstromt werden. –
Die Bürgermeister der beiden Kommunen im Bamberger Land, Georg Bogensperger und Franz Zenk, sind natürlich froh über die neue Entwicklung. Auch wenn Stadt- und Gemeinderat bei ihren Entscheidungen vor einigen Jahren noch nichts von der künftigen Bedeutung der Solartrocknung gewusst haben, sei hier eine zukunftsträchtige Lösung gefunden worden. Ein effizienter Kreislauf wäre gewiss sinnvoller als alle Agendas zusammen. Beide Bürgermeister betonen die ökologische Bedeutung dieses Verfahrens ebenso wie die Möglichkeit, damit Geld zu sparen.
Ganz so einfach ist es aber auch wieder nicht, wie das Beispiel Füssen zeigt. Denn als nach einer Probe-Vorführung dort wie hingezaubert ein Fass Heizöl dastand und die Sache ruchbar wurde, stand tags darauf schon das Zollamt vor der Tür und forderte seinen Tribut.

Tiermehl kann zu
„Kohle“ werden

Von großem Interesse könnte nach Ansicht von Edgar Rünagel das neue Verfahren auch für die Tierkörper -Beseitigungsanlage (TBA) in Walsdorf sein. Denn nicht nur die Gewinnung von Öl aus Klärschlamm ist damit möglich – auch das in der TBA anfallende Tiermehl kann mit dem neuen Verfahren zu Öl oder Kohle verarbeitet werden. Was in der Praxis bedeuten würde: Kohle aus Tiermehl oder Klärschlamm könnte beispielsweise im Kraftwerk Arzberg von der E .on in Strom umgewandelt werden. Selbst für den Energieriesen sicherlich reizvolle Perspektiven, wenn man bedenkt, dass die TBA derzeit für die Tiermehl-Entsorgung zur Zeit ebenso zahlen muss wie die Kommunen für die Klärschlamm-Entsorgung . . . hwp

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